Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Bocholt - Borken - Coesfeld wird nicht weiter verfolgt

In einer vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) beauftragten Machbarkeitsstudie für eine mögliche Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Bahnstrecke Bocholt - Rhede - Borken - Coesfeld für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) wurden 2019 drei unterschiedliche Planfälle untersucht, nämlich die Gesamtstrecke Bocholt - Coesfeld mit einer Durchbindung nach Münster (RB 63), der Teilabschnitt Bocholt - Borken mit einer Durchbindung nach Essen (RE 14) sowie der Teilabschnitt Rhede - Bocholt mit einer Durchbindung nach Düsseldorf (RE 19). Darüber hinaus wurden zusätzlich die Gesamtstrecke mit allen drei Linien und der Teilabschnitt Bocholt - Borken mit den beiden Linien RE 14 und RE 19 untersucht.

Da auf der ehemaligen Trasse keine Gleise mehr liegen, musste der Gutachter auf Basis einer vom NWL eingeholten juristischen Expertise die Annahme treffen, dass alle Kreuzungen mit dem Straßenverkehr niveaufrei, also als Über- oder Unterführungen, zu bauen sind. Dadurch konnte trotz guter erwarteter Fahrgastzahlen in keinem der Planfälle ein volkswirtschaftlicher Nutzen mit einem Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) größer 1 erreicht werden. Dies ist aber Voraussetzung für eine Förderung von Infrastrukturprojekten über die Bedarfs- und Ausbauplanung des Landes NRW.

Für die Gesamtstrecke von Bocholt nach Coesfeld mit Halten in Rhede, Borken, Ramsdorf, Velen und Gescher - und ab Coesfeld weiter nach Münster (RB 63) - wurde ein NKI von 0,86 erreicht. Die Studie ergab für die reaktivierte Strecke 6.800 Fahrgäste im SPNV (pro Werktag) und Investitionskosten von 440 Mio. €. Weitere Planfälle mit kürzeren Streckenführungen zwischen Borken und Coesfeld ergaben noch deutlich geringere Nutzen-Kosten-Werte.

Eine Wiederinbetriebnahme nur zwischen Bocholt und Borken als RE 14 nach Essen ergab bei 4.100 Fahrgästen im SPNV (pro Werktag) und Investitionskosten von 190 Mio. € einen NKI von 0,76. Den besten, aber dennoch nicht ausreichenden NKI von 0,94 erreicht eine Wiederinbetriebnahme des Abschnitts Bocholt - Rhede als Verlängerung der RE 19 aus Düsseldorf. Hier werden 2.300 Fahrgäste im SPNV (pro Werktag) bei Investitionskosten in Höhe von 88 Mio. € erwartet. Die Varianten mit mehreren sich überlagernden Linien haben einen NKI von 0,85 bzw. 0,93 ergeben.

Da in einer Vorstudie ohne die Berücksichtigung des Baus von Über- und Unterführungen auch Werte von über 1 erreichbar schienen, hatte der NWL weitere Untersuchungen durchgeführt, bei der es darum ging, noch einmal sehr spezifisch zu überprüfen, ob es Kreuzungen gibt, an denen auch der Bau höhengleicher und damit kostengünstigerer beschrankter Bahnübergänge möglich wäre. Für die Realisierung hätte das Bundesverkehrsministerium entsprechende Ausnahmen erteilen müssen. Diese Prüfungen verliefen negativ.

Anfang Mai nun hat der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) den Landräten der Kreise Borken und Coesfeld mitgeteilt, dass eine Reaktivierung der Bahnstrecke Bocholt - Coesfeld - Münster für den SPNV nicht weiterverfolgt wird.

Aus Sicht des NWL wäre ein hochwertiger Radschnellweg auf der Strecke eine begrüßenswerte Entwicklung. Dadurch würde die ehemalige Schienentrasse als Flächenband erhalten, was auch für potenzielle Entwicklungen von Bedeutung sein kann.
Die an der Trasse liegenden Kommunen Bocholt, Rhede und Borken werden nun unterstützt vom Kreis Borken weiter beraten, ob jetzt ausschließlich die Planungen zum Radschnellweg weiterverfolgt werden. Ziel ist eine politische Beratung und Entscheidung in den Räten. Das Verfahren werden die Verwaltungen der betroffenen Kommunen schnellstmöglich abstimmen und den Gremien zur Entscheidung vorlegen.

 

 

« zurück | login | Seite drucken