Buchrezension "Auf Nebenstrecken durchs Münsterland"; Sutton-Verlag GmbH, 2019

Christoph Riedel: Auf Nebenstrecken durchs Münsterland
Unterwegs zwischen Ems und Lippe
128 Seiten, ca. 160 Abbildungen, 17 x 24,0 cm, Hardcover
ISBN-13: 978-3-96303-049-9, 19,99 Euro

"Nebenbahnromatik" ist ein sehr populäres Thema, gerade in der heutigen Zeit, wo uns der Wandel allerorten umfängt. Die Strecken im Münsterland bedienten dieses Klischee in vergangenen Jahrzehnten hervorragend. Auf den heute noch betriebenen Linien hat inzwischen die Moderne Einzug gehalten. Das Vorwort dieses Buches beginnt, korrekt wie wir Deutschen sind, mit einer Begriffsdefinition: Auf "Nebenstrecken" sind wir hier unterwegs, nicht gleichbedeutend mit den bahnamtlichen "Nebenbahnen", aber versehen mit den Attributen eingleisig, nicht elektrifiziert und von regionaler Bedeutung. Nachdem das geklärt ist, nimmt uns der Autor mit auf einen fiktiven Landbahnhof in den 1950ern. Wir beobachten den lebendigen Betrieb an einem Sommernachmittag auf den Gleisen, im Empfangsgebäude, in der Güterabfertigung, auf der Ladestraße. Wer sich auf diese Gedankenreise einlassen kann, braucht eigentlich gar keine Bilder mehr. Aber dann wäre die weitere Arbeit am Buch ja vergeblich gewesen.

Autor Christoph Riedel hat bereits zu anderen Gegenden Bände in der Reihe "Sutton Zeitreise" veröffentlicht, gefüllt mit Bildern seiner Reisen von den 1980ern bis heute. So finden wir auch im vorliegenden Werk einen bunten Bilderreigen von der blau-beigen Bundesbahn-Zeit bis zu den Talent-Triebzügen in den Farben verschiedener Betreiber heutzutage. Betrachtet werden jedoch nur die heute noch als Regionalbahn-Linien betriebenen Strecken, aussen vor bleiben stillgelegte Strecken der Staatsbahn wie auch insgesamt die Privatbahnen. Dementsprechend gliedert sich das Buch: Neben einer kurzen Abhandlung zur Entwicklung des Streckennetzes im Münsterland, gibt es zu Beginn jeden Kapitels einen kurzen Abriß zur jeweiligen Strecke. Textlich ist das für den gewählten Rahmen absolut ausreichend. Die Bildauswahl zieht sich durch "alle Baureihen" und durch "alle Wetter", wir sehen den Bahn-Alltag aus knapp vier Jahrzehnten. Dabei dominiert der Zeitraum 1980 bis 2000 und gezeigt werden keinesfalls nur die immer gleichen Postkartenmotive. So kommt einerseits das Flair der "guten alten Bundesbahn" in ihrer letzten Dekade herüber, andererseits der in den 1990ern beginnende Wandel bei Fahrzeugen und nicht zuletzt bei der Infrastruktur. Das ist mit einem Wort: Gut.

Gibt es etwas zu meckern? Nicht wirklich, insgesamt ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Titelbild zumindest des vorliegenden Exemplares hat einen Grünstich, was im Vergleich mit dem selben Bild im Innenteil auffällt, ansonsten ist die Optik aber in Ordnung. Thematisch fällt das letzte Kapitel etwas aus dem Rahmen: Dorsten als Beispiel für einen ländlichen Bahnknoten hat mit der bei Erscheinen des Buches laufenden Modernisierung eine gewisse Aktualität. Unter der Kapitelüberschrift wären aber mehr als zwei Bilder aus alter Zeit durchaus sinnvoll und sicherlich verfügbar gewesen. Doch unter dem Strich bekommt man hier einen schönen Bilderbogen oder, dem Titel der Buchreihe entsprechend, eine schöne Zeitreise geboten. (mw)

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