Buchrezension "Bentheimer Jahruch 2022", Heimatverein der Grafschaft Bentheim, 2021

Heimatverein der Grafschaft Bentheim e.V.:
Bentheimer Jahrbuch 2022

320 Seiten, ca. zahlreiche Abbildungen, 23,5 x 17 cm Festeinband, ISBN 978-3-948761-01-1, 24,00 Euro
zu beziehen auch über Heimatverein Grafschaft Bentheim e.V., NINO-Allee 2, 48529 Nordhorn, info@heimatverein-grafschaft.de

Auch 2021 beinhaltet das Bentheimer Jahrbuch 2022 wieder zahlreiche Themen über die Geschichte der Grafschaft Bentheim. Das Besondere in diesem Jahr: Gleich vier Beiträge widmen sich der Verkehrsgeschichte, drei davon dem Thema Eisenbahn.

Im ersten Beitrag behandeln die beiden bekannten Grafschafter Autoren Ralf A. Tyborczyk und Herbert Raben unter der dem Titel "Bentheimer Backsteinimpressionismus" ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Erforscht wurde die Geschichte des Direktionsgebäudes der Bentheimer Eisenbahn in Bentheim vor dem Hintergrund des 75. Jahrestages der Bomardierung des imposanten Gebäudes. Mit sechs Toten ist jener Tag im Februar 1945 das traurigste Ereignis in der langen und bewegten Geschichte des Grafschafter Verkehrsunternehmens. Zwei Zeitzeugen berichten in dem Beitrag von ihren Erlebnissen. Eingegangen wird auch auf den Wiederaufbau des Gebäudes in den schweren Nachkriegsjahren. So gestaltete sich beispielsweise die Wiederbeschaffung der Buntglasfenster ausgespochen schwierig. Vor dem Krieg in Quedlinburg bestellt und angefertigt, lag dieser Ort 1948 in der sowjetischen Besatzungszone, was die Lieferung der neuangefertigen Fenster zu einer Odyssee werden ließ und um Monate verzögerte.

Der Beitrag "Die Beziehungen festigen" von Autor Ralf A. Tyborczyk beleuchtet den Rückzug der Bentheimer Eisenbahn vom Verkehrsknoten Gronau im Jahr 1981. Nachdem der Reisezugverkehr zwischen Gronau und Bad Bentheim bereits 1966 aufgegeben wurde, gab es seitens der Deutschen Bundesbahn immer wieder Bestrebungen, auch den Schienengüterverkehr auf dieser Relation einzustellen. Im Jahr 1981 schließlich war es dann soweit: Am 26. September verkehrte weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit der letzte Güterzug zwischen Bad Bentheim und Gronau. Nur wenige Monate später, Mitte 1982, erfolgte der Rückbau der Gleisanlagen zwischen Gronau und Achterberg.

Mit der Rolle der Eisenbahn für die Entwicklung Bentheims als Kurort beschäftigt sich der Beitrag "Ein Lückenschluss und seine Bedeutung für das Bad" von Wilhelm Hoon. Nachdem 1856 die sogenannte Hannoversche Westbahn bis Salzbergen eröffnet wurde, kamen schnell Stimmen in der Grafschaft auf, die den Lückenschluss zwischen Salzbergen und dem niederländischen Eisenbahnnetz forerten. Auch das Kurbad in Bentheim zeigte reges Interesse an solch einem Lückenschluss, würde dieser doch den Kurgästen eine deutlich bequemere An- und Abreise ermöglichen. Zu diesem Zeitpunkt mussten Gäste die Postkutsche benutzen, was angesichts der topografichen Verhältnisse kein Vergnügen war. So kam es im September 1862 zur Gründung der Spoorwegmaatschappij Almelo Salzbergen N.V, an der der Fürst zu Bentheim als Eigentümer des Kurbades nicht unerhebliche Anteile erwarb. Nach der Eröffnung der Strecke 1865 kam es bereits wenige Jahre später zu organisierten Tagesfahrten per Bahn aus Holland (Arnheim oder Amsterdam) nach Bentheim. So wollte man die Tagesfahrgäste von der Wirksamkeit einer ausgiebigen Badkur überzeugen.

Ein weiterer Beitrag zum Thema "Rhein-See-Kanal" beschreibt die Planungen eines Großschifffahrtsweges durch die Grafschaft Bentheim Anfang des 20. Jahrunderts. Verwirklicht wurde dieses Projekt nie.

Sämtliche Beiträge sind durch aussagekräftige und gut reproduzierte Fotos ergänzt. (ms)

 

 


 


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