Künftige Nutzung des Empfangsgebäudes in Coesfeld weiter unklar - Investor zieht sich zurück

Die Zukunft des Bahnhofsgebäudes in Coesfeld ist wieder offen. Einem örtlichen Zeitungsbericht zufolge hat sich das Unternehmen ECO.PLAN GmbH & Co. KG (Neuenrade/Coesfeld) im Januar 2018 aus dem Projekt zurückgezogen. ECO.PLAN hatte gemeinsam mit dem Architekten Andreas Bodem im Juni 2015 den Zuschlag des 2014 seitens der Bahnflächenentwcklungsgesellschaft NRW mbH (BEG) als Eigentümerin des Gebäudes und der Stadt Coesfeld eingeleiteten Investorenverfahrens für die Aufwertung und Nachnutzung des Empfangsgebäudes erhalten.
Ausgeschrieben worden war ein 4.700 m² großes Grundstück und optional eine weitere Teilfläche zu 1.500 m² im südlichen Bereich. Erwartet wurde ein gesamtwirtschaftliches Nutzungs- und Bebauungskonzept mit hoher städtebaulich-architektonischer Qualität. Enthalten sein sollten in dem Konzept zum einen fahrgastbezogene Nutzungen (Convenience & Reisezentrum) sowie Mietflächen für die konkreten Mieter mit Vorverträgen für DB Netz AG, DB Vertrieb GmbH und bis zu ca. 200 m² städtische Nutzfläche.

Das Konzept von ECO.PLAN sah ein Ensemble vor, das dem Bahnhofsplatz eine städtebauliche Kante geben  und dennoch den Blick auf die Züge und das Bahngelände ermöglichen sollte. Geplant war ein neues Bahnhofsareal mit drei Gebäuden: dem freigestellten Bahnhofsgebäude sowie zwei flankierenden Gebäuden, die den Blick nach Westen freigeben sollten auf Züge und Gleisanlagen. Das eigentliche Empfangsgebäude sollte durch Gastronomie, Büros und den personenbedienten Fahrkartenverkauf geprägt werden. Weiterhin war die Einrichtung einer Radstation Bestandteil des Konzeptes.
In einem Gebäudeteil sollte in Kooperation mit dem Coesfelder Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V. (IBP) ein Wohnheim mit 24 Plätzen entstehen, in dem vom IBP betreute Personen mit Sucht- und psychischen Krankheiten leben und in Arbeitsbereichen im Bahnhofsumfeld tätig sein sollten. Dieser Bestandteil des Gesamtkonzeptes soll im Nachhinein nicht mehr wirtschaftlich darstellbar gewesen sein.

Die BEG plant nun die Aufnahme von Gesprächen mit dem Unternehmen H+T Konzeptbau GmbH & Co. KG aus Vreden. H+T hatte beim damaligen Auswahlverfahren den zweiten Platz belegt. Sollten  auch diese Gespräche nicht zu einem Erfolg führen, wird die BEG entscheiden, wie sie mit dem Objekt weiter verfahren wird. Ziel bleibt nach Auskunft der BEG die Vermarktung an einen interessierten Investor, möglicherwiese unter veränderten Rahmenbedingungen.
Ein Erwerb des Gebäudes durch die Stadt, beantragt durch die Fraktion "Pro Coesfeld" im Stadtrat im Februar 2018, wurde vom Rat mehrheitlich abgelehnt. Nach Angaben der Stadt würde ein Ankauf keinerlei Vorteil gegenüber einer Vermarktung durch die BEG bringen, da die Stadt keine eigenen Raumbedarfe habe, die in dem Gebäude untergebracht werden müssten. Die Stadt müsste genauso wie die BEG einen Investor für das Gebäude suchen. Die BEG habe indes weit umfangreichere Erfahrungen mit der Vermarktung entsprechender Objekte, entsprechende Kontakte und Expertise und Mittel für die notwendigen Verfahren. Die BEG sei daher eher in der Lage, für das Objekt einen Interessenten zu finden als die Stadt.

Das Empfangsgebäude in Coesfeld stammt aus dem Jahr 1904, beherbergt heute neben einem Reisezentrum der DB Vertrieb GmbH noch Diensträume der DB Regio AG und der DB Netz AG. Ansonsten steht es weitgehend leer und ist generell sanierungsbedürftig. Das Umfeld ist hingegen weitgehend modernisiert worden. Erst 2013 wurde die kommunale Verkehrsschnittstelle neugestaltet als Ergänzung zu den Modernisierungsmaßnahmen der DB Station & Service AG im Bahnsteigbereich. Bereits zuvor hatte die Stadt mit Hilfe von Fördermitteln in den Busbahnhof sowie in P&R- und B&R-Anlagen investiert.

 

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