Empfangsgebäude Coesfeld abgerissen

Coesfeld bekommt ein neues Empfangsgebäude: Anfang November 2018 gaben die Stadt Coesfeld, die Bahnentwicklungsgesellschaft NRW mbH (BEG) als derzeitige Eigentümerin des Gebäudes, die Firma H+T Konzeptbau GmbH & Co. KG aus Vreden als Investor sowie das Architekturbüro Evers Architekten Partnerschaft aus Coesfeld bekannt, dass das derzeitige Bestandsgebäude aufgrund des schlechten Bauzustands komplett abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden soll. Das Konzept ist auf zwei Bauabschnitte ausgelegt: Im ersten Bauabschnitt entsteht an nahezu gleicher Stelle wie das Bestandgebäude ein dreigeschossiger Neubau. Das zusammenhängende Gebäude wird durch Glaselemente in drei Bauteile aufgeteilt. Neben den Nutzungen durch die Bahn (Reisezentrum, Wartebereiche, Toilettenanlage etc.) ist ein Fahrradparkhaus, Gastronomie, Praxen, Büros, Beratung und Wohnnutzung vorgesehen.
Durch den Neubau wird im 1. Bauabschnitt eine Fläche von ca. 3.400 m² angeboten, bei einer Baumasse von ca. 15.000 m³. Bestandteil des Konzeptes der Architekten ist bereits eine Erweiterung, die das Gesamtkonzept städtebaulich abrunden soll. Diese Erweiterung soll nach Angaben der Architekten möglichst bald umgesetzt werden unter der Vorgabe, dass sich der erste Bauabschnitt positiv entwickelt.
Die Stadt Coesfeld möchte den Bahnhofsvorplatz, der auch weiterhin öffentlich genutzt werden soll, über die BEG erwerben. Die Fläche für das Fahrradparkhaus wird die Stadt vom Investor anmieten.
Ende Oktober 2019 begannen die Entkernungs- und Abrissarbeiten des alten Empfangsgebäudes, mit dem Neubau soll nach Abschluss der im Endstadium befindlichen politischen Beschlussfassungen Anfang Februar 2020 begonnen werden. Das DB-Reisezentrum befindet sich seit Mitte Oktober 2018 bis auf Weiteres in einem Verkaufscontainer auf dem Bahnhofsvorplatz.

Die Zukunft des Bahnhofsgebäudes in Coesfeld war über mehrere Monate offen, nachdem sich das Unternehmen ECO.PLAN GmbH & Co. KG (Neuenrade/Coesfeld) im Januar 2018 aus dem Projekt zurückgezogen. ECO.PLAN hatte gemeinsam mit dem Architekten Andreas Bodem im Juni 2015 den Zuschlag des 2014 seitens der BEG als Eigentümerin des Gebäudes und der Stadt Coesfeld eingeleiteten Investorenverfahrens für die Aufwertung und Nachnutzung des Empfangsgebäudes erhalten. Ausgeschrieben worden war seinerzeit ein 4.700 m² großes Grundstück und optional eine weitere Teilfläche zu 1.500 m² im südlichen Bereich. Das Konzept von ECO.PLAN sah ein Bahnhofsareal mit drei Gebäuden vor: Dem freigestellten Bahnhofsgebäude sowie zwei flankierenden Gebäuden, die den Blick nach Westen freigeben sollten auf Züge und Gleisanlagen. Das eigentliche Empfangsgebäude sollte durch Gastronomie, Büros und den personenbedienten Fahrkartenverkauf geprägt werden. Weiterhin war die Einrichtung einer Radstation Bestandteil des Konzeptes.
In einem Gebäudeteil sollte in Kooperation mit dem Coesfelder Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V. (IBP) ein Wohnheim mit 24 Plätzen entstehen, in dem vom IBP betreute Personen mit Sucht- und psychischen Krankheiten leben und in Arbeitsbereichen im Bahnhofsumfeld tätig sein sollten. Dieser Bestandteil des Gesamtkonzeptes soll im Nachhinein nicht mehr wirtschaftlich darstellbar gewesen sein.

Das bisherige Empfangsgebäude in Coesfeld stammte aus dem Jahr 1910, beherbergte zuletzt neben einem Reisezentrum der DB Vertrieb GmbH noch Diensträume der DB Regio AG und der DB Netz AG. Ansonsten stand es weitgehend leer. Das Umfeld ist hingegen weitgehend modernisiert worden. Erst 2013 wurde die kommunale Verkehrsschnittstelle neugestaltet als Ergänzung zu den Modernisierungsmaßnahmen der DB Station & Service AG im Bahnsteigbereich. Bereits zuvor hatte die Stadt mit Hilfe von Fördermitteln in den Busbahnhof sowie in P&R- und B&R-Anlagen investiert.

Hingewiesen werden soll ergänzend auf die Hompage des "Eisenbahnfreunde-Verein 'Alter Bahnhof Lette' e.V.", wo in der Monatsgeschichte Januar 2020 in einem lesenswerten Beitrag auf die Geschichte des nun verschwundenen Gebäudes eingegangen wird.

Alle aktuellen Fotos: (c) Wilhelm Lürick.

 

 

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