Aufnahme des elektrischen Betriebs zwischen Wesel und Bocholt verzögert sich bis Ende 2019

Die Aufnahme des elektrischen Betriebs auf der Strecke Wesel - Bocholt verzögert sich auf Ende 2019. Ursprünglich sollte die Elektrifizierung bereits zum Fahrplanwechsel Ende 2018 abgeschlossen sein.

Im April 2017 hatte die Deutsche Bahn für die Baumaßnahme das Baurecht beantragt. Die ursprüngliche Terminplanung sah ein verkürztes sogenanntes Plangenehmigungsverfahren vor und dementsprechend eine Inbetriebnahme zum Ende 2018. Dieses lässt sich insbesondere auf Grund der Umweltbelange und den damit entstehenden neuen Betroffenheiten an der Strecke nicht aufrechterhalten, so dass jetzt ein zeitlich wesentlich aufwändigeres Planfeststellungsverfahren angestoßen wurde. Dadurch verschiebt sich die Inbetriebnahme voraussichtlich auf den Dezember 2019.

Bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurden die bislang von DB Regio NRW mit Dieseltriebwagen der Baureihe 628 erbrachten Reisezugleistungen auf der Linie RB 32 von der Abellio Rail NRW GmbH übernommen. Abellio Rail NRW bedient die Strecke seither im Rahmen des Niederrhein-Netzes, zu dem auch die Betriebsleistungen auf den Linien Mönchengladbach - Wesel (RB 33) und Düsseldorf - Arnheim (RE 19) zählen. Bis zur Elektrifizierung wird Abellio Rail NRW zwischen Wesel und Bocholt Dieseltriebwagen der Bauart LINT einsetzen, nach Aufnahme des elektrischen Betriebs wird die Strecke dann in die Linie RE 19 (Düsseldorf - Wesel - Emmerich - Arnheim) per Flügelzugkonzept eingebunden und mit Elektro-Triebzügen des Typs FLIRT bedient.

Im Rahmen der Elektrifizierung der Strecke wird der Abschnitt Wesel (ab km 2,3) - Hamminkeln für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ausgebaut, der Abschnitt Hamminkeln - Bocholt wird mit 80 km/h befahren werden können. Die Strecke wird an das elektronische Stellwerk (ESTW) in Emmerich angebunden. Dazu werden in Hamminkeln und Bocholt zwei elektronische Stellwerke (ETSW-A) neu gebaut. Die mechanischen Stellwerke in Bocholt (Bf) und Hamminkeln (Hf, nur unregelmäßig besetzt z.B. bei Güterverkehrsbedienung Firma Bögl) werden mit der Anbindung an das ESTW Emmerich aufgelassen. Neben Bocholt werden auch im Bahnhof Hamminkeln weiterhin Zugkreuzungen möglich sein. Dazu wird dort ein barrierefreier Mittelbahnsteig errichtet. In Hamminkeln wird zudem die Eisenbahnüberführung über den Fluss Issel neu gebaut.
Für den Bahnhof Bocholt sehen die Planungen vor, die derzeitigen Gleise 12, 13 und 14 einschließlich der Anschlussweiche 5 komplett zurückzubauen. Nördlich des Bahnübergangs Kaiser-Wilhelm-Straße soll mittels einer neuen Weiche ein neues Gleis (künftig Gleis 2) angebunden werden, welches parallel zum Hauptgleis verläuft und nach Inbetriebnahme für die Nachtabstellung von Zuggarnituren und für kleinere Rangierarbeiten genutzt werden kann.
Das derzeit betrieblich nicht genutzte Industriestammgleis der Stadt Bocholt zum Industriepark Mussum bleibt erhalten und mittels Weiche (Weiche 3) an das ESTW Emmerich angebunden. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bocholt hat diese Einbindung und die Bereitstellung der dafür notwendigen Finanzmittel im Haushaltsjahr 2018 in ihrer Sitzung am 23.11.2016 mehrheitlich beschlossen.
>> Weitere Infos zum Industriestammgleis

In Bocholt ist darüber hinaus die Modernisierung der Verkehrsstation vorgesehen. Die Stationsmaßnahme Bocholt ist Teil des im NWL (Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe) beschlossenen Investitionsprogramms für Bahnhöfe in Westfalen-Lippe.

Die Strecke Wesel - Bocholt hatte in den vergangenen Jahrzehnten eine wechselvolle Geschichte. Aufgrund des stetig steigenden motorisierten Individualverkehrs und damit einhergehend rückläufiger Fahrgastzahlen sollte der Reisezugverkehr Mitte der 1980er Jahre eingestellt werden. Um die drohende Einstellung zu verhindern, hatte die Stadt Bocholt im Jahr 1989 im Vorgriff auf die Regionalisierung die Initiative ergriffen und einen eigenen finanziellen Beitrag von über 5 Mio. DM geleistet, durch den sie der damaligen Deutschen Bundesbahn einen Dieseltriebwagen der Baureihe 628.2 zur Verfügung stellte (bekannt geworden als „Der Bocholter") und mit großem Aufwand den Bahnhof und das Bahnhofsumfeld erneuerte und damit für die Bahnkunden attraktiver machte. Dank dieses erheblichen finanziellen Engagements gelang es, in der Folgezeit die Reisendenzahl wieder deutlich zu erhöhen. Heute liegt die Zahl der Reisenden bei täglich mehr als 1.300 Ein- und Aussteigern am Bahnhof Bocholt.

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