Bocholt: Westmünsterlandbahn GmbH gegründet

Mit Eintrag in das Handelsregister beim Amtsgericht Coesfeld wurde in Bocholt die Westmünsterlandbahn GmbH (WMB) als Eisenbahninfrastrukturunternehmen gegründet. Ziel der WMB GmbH ist die Schaffung und der Unterhalt von Infrastruktur für Verkehrsleistungen im Personen- und Güterverkehr auf der Schiene. Konkret verfolgt die WMB das Ziel, die alte Trasse von Bocholt über Rhede und Borken bis Coesfeld für den Bahnverkehr zu reaktivieren. Sie soll interessierten Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) kostenpflichtig bereitgestellt werden, um die Nachfrage nach ÖPNV-Angeboten oder Gütertransportleistungen seitens der Wirtschaft zu erfüllen. Zum Gesellschafterkreis gehören sieben Privatpersonen, zu Geschäftsführern wurden Michael Nyenhuis und Christof Giesers bestellt. Eisenbahnbetriebsleiter ist Lukas Hagemann aus Telgte.
Die Gesellschafter sehen mit der Wiederinbetriebnahme dieser Verbindung große Chancen, dass das westliche Münsterland, insbesondere die Städte Bocholt und Rhede, am massiven Ausbau der Eisenbahninfrastruktur im mittleren und östlichen Münsterland partizipiert und weiter an Attraktivität gewinnt. Hier hat die Region einen erheblichen Nachholbedarf. Neben einer Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs - Potenziale sehen die Gesellschafter beispielsweise für bei den am Standort Bocholt ansässigen 2000 Studenten der Fachhochschule Bocholt sowie den Beschäftigten im angrenzenden Technologiepark und Gewerbegebiet - soll die Strecke auch zur Nutzung für den Gütertransport vorgehalten werden. So soll auch das Industriestammgleis Bocholt in das künftige Netz integriert werden. Erste Interessenten gibt es nach Aussagen von Geschäftsführer Christof Giesers bereits.

Die WMB GmbH spricht sich zur Erreichung ihrer Geschäftsziele daher auch gegen den von Bocholt und Rhede auf der vorhandenen Bahntrasse geplanten Radschnellweg (RS2) aus. "Die Strecke ist für ein zusätzliches und notwendiges ÖPNV-Angebot für das gesamte westliche Münsterland zu wichtig, um sie für einen Radweg zu opfern. Der Bau des RS2 bedeutet, dass mehr als 40.000 qm Fläche versiegelt werden",  befürchtet Gesellschafter Dr. Andreas Klöcker. Zum Erhalt der ehemaligen Strecke von Bocholt Richtung Coesfeld haben die Gesellschafter der WMB daher in einem ersten Schritt beim zuständigen Eisenbahn-Bundesamt (EBA) eine Eingabe eingereicht. Ziel ist es, dass die gewidmeten Flächen weiterhin als Bahntrasse erhalten bleiben. Dieses ist grundlegende Voraussetzung zur Wiederaufnahme des Personen- und Güterverkehrs.

Hintergrund: Entstanden ist die Idee zur Gründung der WMB aus der Initiative „Stoppt-den Radschnellweg-rs2.de" und dem dahinterstehenden Unterstützerkreis. Bekanntlich planen die Städte Bocholt und Rhede, auf der Bahntrasse Bocholt - Rhede den sogenannten Radschnellweg RS2 zu bauen. Entsprechende Beschlüsse wurden im vergangenen Jahr in den Stadträten in Bocholt und Rhede mehrheitlich (in Bocholt lediglich mit zwei Stimmen Mehrheit) gefasst.

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