Niederrhein-Münsterland-Netz: VRR, NWL und CAF schließen Vertrag zur Lieferung von 63 Zügen mit alternativem Antrieb

Am 04.04.2022 wurde in Kempen der Vertrag für die Produktion, Lieferung und die langfristige Instandhaltung von 63 lokal emissionsfreien Triebfahrzeugen unterzeichnet. Vertragspartner sind der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der spanische Fahrzeughersteller Contrucciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S.A. (CAF). Vorab hatten VRR und NWL nach einem europaweiten Vergabeverfahren dem Unternehmen den Zuschlag erteilt und setzen damit auf innovative Antriebstechnologien im Regionalverkehr. Ab 2025 stellen die SPNV-Aufgabenträger den Dieselbetrieb im Niederrhein-Münsterland-Netz (NMN) auf lokal emissionsfreie Fahrzeuge um und bieten den Fahrgästen zusätzliche Sitzplatzkapazitäten. Ein wichtiger Schritt, um bis zum Jahr 2030 90 Prozent der SPNV-Leistungen im Verbundgebiet elektrisch erbringen und die Emissionen von CO2, Feinstaub und Lärm weiter reduzieren zu können.
CAF wird die Züge nicht nur produzieren und liefern, sondern auch über ihren gesamten Lebenszyklus von rund 30 Jahren instand und verfügbar halten. Damit ist das Niederrhein-Münsterland-Netz das erste SPNV-Netz in NRW mit alternativem Antrieb und zugleich auch das größte BEMU-Netz in ganz Deutschland.

Die Ausschreibung der Fahrzeuge für das Niederrhein-Münsterland-Netz wurde von VRR und NWL bereits 2018 gestartet. Um in die neuen Fahrzeuge investieren zu können haben sich der Zweckverband VRR Eigenbetrieb Fahrzeuge und Infrastruktur und der NWL Eigenbetrieb Infrastruktur und Fahrzeuge (EBINFA) günstige Kreditkonditionen gesichert. Für die Finanzierung der CAF-Neufahrzeuge erhielten die Europäische Investitionsbank und die NRW.BANK den Zuschlag.

Die Lieferung der Fahrzeuge von Typ „Civity BEMU" erfolgt in zwei Größen mit einem Sitzplatzangebot von je 120 beziehungsweise 160 Sitzplätzen, was deutliche Kapazitätssteigerungen auf vielen Linien des Niederrhein-Münsterland-Netzes ermöglicht. Es handelt sich bei den Fahrzeugen um batterieelektrische Fahrzeuge. Diese sind state-of-the-art elektrische Fahrzeuge, die zusätzlich mit Batterien ausgestattet sind, um die nicht elektrifizierten Streckenabschnitte zu überbrücken und unter der Oberleitung die Batterien wieder aufzuladen zu können.

Bevor die neuen Fahrzeuge ihren Betrieb aufnehmen können, muss die Eisenbahninfrastruktur entsprechend ausgebaut werden: So müssen die Stellwerkstechnik erneuert, Bahnsteige verlängert und für einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg erhöht, der Bahnhof Coesfeld elektrifiziert, in Geldern eine Wendeanlage für die neue RB 37 errichtet sowie Abstellanlagen erweitert und ertüchtigt werden. In Kleve baut die DB Netz AG eine Oberleitungsinselanlage (OLIA) an der die neuen BEMU-Fahrzeuge aufgeladen werden können. Darüber hinaus wird die ehemalige Zechenbahn nach Kamp-Lintfort reaktiviert und verlängert, so dass der Hochschulstandort künftig an das SPNV-Netz angeschlossen wird.

Das Niederrhein-Münsterland-Netz umfasst sieben Linien mit über sechs Millionen Zugkilometern Verkehrsleistung pro Jahr:
RE 10 Kleve - Geldern - Krefeld - Düsseldorf (Niers-Express)
RE 14 Essen - Bottrop - Dorsten - Borken / Coesfeld (Emscher-Münsterland-Express)
RE 44 Kamp-Lintfort - Moers - Duisburg - Oberhausen - Bottrop (Fossa-Emscher-Express)
RB 31 Xanten - Moers - Duisburg (Der Niederrheiner)
RB 36 Oberhausen - Duisburg-Ruhrort (Ruhrort-Bahn)
RB 37 Geldern - Krefeld - Neuss (Niers-Erft-Bahn)
RB 43 Dortmund - Herne - Dorsten (Emschertal-Bahn)

Die Betriebsaufnahme auf den Linien RE 44, RB 31 und RB 36 erfolgt im Dezember 2025, die übrigen Linien folgen sukzessive bis Dezember 2028.

 

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