Grenslandexpress Bad Bentheim - Hengelo im Dezember 2013 eingestellt

Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 wurde mit dem neuen „Grensland-Express" der Schienenpersonennahverkehr zwischen Hengelo, Oldenzaal und Bad Bentheim aufgenommen. Betrieben wurde der „Grensland-Express" (niederländische Schreibweise) für die Dauer von drei Jahren von der Bentheimer Eisenbahn AG gemeinsam mit dem niederländischen Verkehrsunternehmen Syntus B.V. mit Sitz in Doetinchem - eine ungewöhnliche Konstellation.
Jetzt wurde das Projekt am 7.12.2013 - mit Ablauf des dreijährigen Probebetriebes - eingestellt. Grund waren die niedrigen Fahrgastzahlen insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr. Zwischen Oldenzaal und Bad Bentheim nutzten durchschnittlich nur rund 250 Reisende die Züge. 600 Fahrgäste wären hier notwedig gewesen, um den Betrieb einigermaßen wirtschaftlich zu betreiben. Die Gründe für die geringen Fahrgastzahlen waren vielschichtig: Die fehlende Durchbindung über Bad Bentheim hinaus in Richtung Rheine - Osnabrück und über Hengelo hinaus in westliche Richtung und das damit nötige Umsteigen in Bad Bentheim und Hengelo machten die Verbindung nicht eben attraktiv. Auch handelt es sich bei den Endpunkten Hengelo und Bad Bentheim nicht um Oberzentren mit entsprechender Anziehungskraft für Fahrgäste. Ferner konnte es nicht gelingen, beidseits der Grenze ein attraktives Vertriebssystem aufzubauen. So waren Fahrkarten ausschließlich im Zug beim Zugbegleiter erhältlich. Problematisch und nicht kundenfreundlich war zudem die Bahnsteigsituation in Bad Bentheim: Hier sind - im Gegensatz zu den niederländischen Stationen Oldenzaal und Hengelo - die Bahnsteige nicht auf 76 cm Höhe angehoben, so dass ein sicheres Ein- und Aussteigen in die und aus den DM90-Triebwagen von Syntus nicht möglich war. Syntus und Bentheimer Eisenbahn AG konnten dieses Problem in enger Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt durch die Nutzung von stationären Ein- und Ausstiegshilfen in Form von Podesten lösen. Diese mussten jedoch nach Ankunft der Züge in Bad Bentheim erst von den Zugbegleitern (zeit)aufwändig an die Türen geschoben werden. Den Fahrgästen war es vorher nicht gestattet auszusteigen.

Mit der Verbindung wurde für drei Jahre eine Lücke im SPNV-Angebot zwischen Deutschland und den Niederlanden geschlossen. Die nächsten grenzüberschreitenden Nahverkehrsstrecken existieren südlich zwischen dem westfälischen Gronau und Enschede (Betreiber DB Regio AG) sowie nördlich zwischen Weener und Bad Nieuweschans (Betreiber Arriva Nederland B.V.). Die bereits bestehende zweigleisige elektrifizierte Strecke zwischen Bad Bentheim und Hengelo wurde zuvor und wird auch weiterhin ausschließlich von Fernzügen (IC-Linie Amsterdam - Berlin, zweistündlich, ohne Halt in Oldenzaal) und im Güterverkehr genutzt. Insofern schien die Aufnahme des SPNV zwischen Hengelo und Bad Bentheim nur folgerichtig: Immerhin stand die entsprechende Infrastruktur bereits zur Verfügung und an den Verkehrstationen Bad Bentheim, Oldenzaal und Hengelo mussten keine größeren Umbauarbeiten vorgenommen werden.

Bedient wurde die Strecke montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr und 20.30 Uhr, samstags von 7.30 Uhr bis 20.30 Uhr und an Sonn- und Feiertagen zwischen 8.30 Uhr und 20.30 Uhr jeweils im Stundentakt. Die Fahrzeit betrug zwischen Hengelo und Bad Bentheim 20 Minuten. Die Züge hielten nicht am Haltepunkt Hengelo Oost, damit an den Endbahnhöfen direkte Anschlussmöglichkeiten bestanden. Erreicht wurden so in Hengelo die Züge in Richtung Almelo und Enschede sowie in Bad Bentheim bahnsteigleich die Züge der Westfalenbahn (RB 61) in Richtung Rheine, Osnabrück und Bielefeld sowie vom Bahnhofsvorplatz die Buslinie 100 der Bentheimer Eisenbahn in Richtung Nordhorn und Emlichheim.
Die Bestellung der Zugleistungen bis Dezember 2013 war einer Förderung aus dem INTERREG-Programm „Deutschland-Nederland" zu verdanken. Während der dreijährigen Pilotphase flossen rund 1,4 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung in das Projekt. Das Land Niedersachsen und das niederländische Ministerie van Infrastructuur en Milieu beteiligten sich mit rund 1,8 Mio. Euro. Hinzu kamen rund 2,9 Mio. Euro öffentliche Mittel aus der Region.
Das operative Geschäft, die betriebliche Abwicklung der Zugleistungen oblag Syntus. Das niederländische Verkehrsunternehmen stellte das Fahrzeug (im Bedarfsfall ein Ersatzfahrzeug aus dem eigenen Bestand) sowie die Zugpersonale (Triebfahrzeugführer und Zugbegleiter) und war für die Wartung und Reinigung der Triebwagen verantwortlich. Die Bentheimer Eisenbahn AG war zuständig für das Finanzwesen.

Hintergrund: Grensland-Express
Auftraggeber für den Grensland-Express waren die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH, das niederländische Ministerie van Infrastructuur en Milieu, die Regio Twente sowie die Provincie Overijssel. Mitfinanziert wurde das Projekt darüber hinaus vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, den Gemeinden Hengelo und Oldenzaal, den Städten Bad Bentheim und Nordhorn und vom Landkreis Grafschaft Bentheim. Der Name "Grensland-Express" war übrigens ein Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft Schienenverkehr Münsterland e.V. Er setzte sich im Jahr 2010 gegen den ebenfalls in Auswahl stehenden Namen "HOBBIT" (= kurz für "Hengelo-Oldenzaal-Bad Bentheim-International-Train") durch.

Die ersten acht Fotos entstanden am 7.12.2013 - dem letzten Betriebstag. Festgehalten hat die Eindrücke Wilhelm Lürick.

 

 

 

 

 

 

 

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