Bentheimer Eisenbahn: Niedersachsen stimmt SPNV-Verlängerung nach Coevorden zu

Die Verlängerung der Linie RB 56 der Bentheimer Eisenbahn AG (BE) vom derzeitigen Endpunkt Neuenhaus über Hoogstede und Emlichheim ins niederländische Coevorden kommt. Dies gab der niedersächsische Wirtschafts- und Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann gemeinsam mit Landesfinanzminister Reinhold Hilbers im Rahmen einer Sonderfahrt zwischen Neuenhaus und Emlichheim bekannt.
Nach Angaben von BE-Vorstand Joachim Berends soll die SPNV-Reaktivierung der knapp 30 Kilometer langen grenzüberschreitenden Strecke möglichst in drei Abschnitten erfolgen: Zunächst sollen die Züge von Neuenhaus nach Veldhausen weitergeführt werden, danach bis Emlichheim und bis 2025 schließlich nach Coevorden. Zugangsstellen für den „Regiopa-Express" sind in Veldhausen, Hoogstede, Emlichheim, Laarwald, Coevorden-Europaweg und Coevorden NS vorgesehen. In dem vorab durchgeführten standardisierten Prüfverfahren war das Kosten-Nutzen-Verhältnis mit einem sehr guten Wert von 1,63 beurteilt worden. Entsprechend, so Minister Althusmann, sei man auch in Hannover „nach intensiver Prüfung" von der Wirtschaftlichkeit der SPNV-Verbindung, auf der 1300-1500 Fahrgäste pro Tag erwartet werden, überzeugt. Nun gelte es, beim Bund eine Bewilligung des Förderantrages zur Finanzierung zu erreichen, möglichst noch vor Ende der Legislaturperiode im September. Ziel der Landesregierung, so Althusmann, sei es, im Flächenland Niedersachsen den Schienenpersonennahverkehr voranzubringen. Die Verlängerung des „Regiopa-Express" nach Coevorden sei ein wichtiges Signal für die Wirtschaft, aber auch für den Tourismus und zudem ein bedeutendes niedersächsisch-europäisches Projekt.
Landrat Uwe Fietzek lobte die Einigkeit bei der Vorbereitung des Reaktivierungsprojektes: Landkreis, beteiligte Kommunen, alle im Kreistag vertretenen Parteien, die örtliche Wirtschaft, die Bentheimer Eisenbahn und die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hätten sich stets einmütig zu der Verbindung bekannt.
Als nächstes Projekt nannte BE-Vorstand Berends die Reaktivierung des südlichen Abschnittes von Bad Bentheim ins nordrhein-westfälische Gronau, wo Anschlüsse in Richtung Münster, Dortmund und Enschede bestehen würden. Hier wird im Spätsommer das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie erwartet. Gelänge auch diese Reaktivierung, könnte es bis 2035 in Zusammenhang mit einem Lückenschluss auf der Nedersaksenlijn in den Niederlanden (zwischen Emmen und Musselkanaal) Fahrtbeziehungen zwischen Gronau und Groningen geben.

Beeindruckt zeigten sich die Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kommunen und der Presse im Sonderzug von der Anteilnahme der Bevölkerung. So wurde der Zug am künftigen Haltepunkt Hoogstede von rund 300 Bürgerinnen und Bürgern freudig begrüßt. Hier konnte Bürgermeister Fritz Berends zahlreiche Gruppen und Vereine, darunter die Freiwilige Feuerwehr und den Schützenverein, aber auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler für den Empfang begeistern. Ähnlich hoch war die Beteiligung der Bevölkerung am Bahnhof Emlichheim. Hier begrüßten Schülerinnen und Schüler den Sonderzug mit der eindeutigen Botschaft "Emlichheim ist am Zug".

In Emlichheim plant die Gemeinde eine umfassende Aufwertung des Bahnhofsumfeldes. Mit großer Bürgerbeteiligung wurde ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) aufgestellt. Nach einem entsprechenden Beschluss des Gemeinderates wurde der Antrag für das neue Förderprogramm „Lebendige Zentren - Erhalt und Entwicklung der Stadt- und Ortskerne" rechtzeitig zum Stichtag 01.06.2020 beim Land Niedersachsen eingereicht. Kürzlich hat das Land Niedersachsen die Aufnahme der Gemeinde Emlichheim in die Städtebauföderung beschlossen. Nach Angaben von Samtgemeindebürgermeisterin Daniela Kösters wird die Gemeinde jetzt das gesamte zukünftige Bahnhofsumfeld sehr genau in den Fokus nehmen, damit dieser Bereich mit der SPNV-Reaktivierung "wie eine schöne Visitenkarte für Emlichheim" wahrgenommen wird. Erste Gespräche mit der Bentheimer Eisenbahn und den Eigentümern des K+K-Marktes haben schon stattgefunden.Denkbar wäre beispielsweise unter anderem ein Durchgang vom K+K-Markt zum künftigen Bahnsteig.

In Neuenhaus-Veldhausen wird am künftigen Haltepunkt eine Busumfahrt gebaut, um Anschlüsse mit dem ÖPNV an die umliegenden Orte der Niedergrafschaft ermöglichen zu können. Auch eine Anbindung des direkt anschließenden Gewerbegebietes ist vorgesehen.

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